Fr. 28.04.2023

Vernissage “Lebens(t)räume” Heilbronn

Ziel des zweiteiligen Kunstprojekts ist es, die Menschen hinter dem Rollstuhl sichtbar zu machen – ihre Persönlichkeiten, Biografien, Wünsche und Eigenheiten. Im Mittelpunkt steht dabei bewusst nicht die körperliche Einschränkung, sondern der individuelle Mensch mit seiner Haltung zur Welt, seinem Humor, seinen Interessen und seiner ganz eigenen Art, den Alltag zu gestalten. Das Projekt versteht sich als künstlerisches Plädoyer für einen differenzierten Blick auf Inklusion, der jenseits von Klischees und Mitleidsnarrativen neue Perspektiven eröffnet.

In einer ersten Phase realisierte der Stuttgarter Künstler Stefan Heilemann ein sensibles Fotoprojekt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Atoll e.V.. Die Porträts zeigen die Beteiligten in selbstgewählten Situationen und Kontexten – selbstbewusst, nahbar und authentisch. Durch Licht, Komposition und eine ruhige Bildsprache entstehen Fotografien, die Raum für Begegnung lassen und den Blick der Betrachtenden auf Augenhöhe führen. Die Aufnahmen laden dazu ein, innezuhalten und die porträtierten Menschen nicht als „anders“, sondern als individuell und vielschichtig wahrzunehmen.

Begleitend dazu entstand gemeinsam mit dem ebenfalls aus Stuttgart stammenden Künstler Björn Springorum ein dokumentarischer Film, der den Alltag in den Wohngemeinschaften ebenso beleuchtet wie die Wege der Bewohnerinnen und Bewohner durch Heilbronn. Der Film beobachtet, ohne zu erklären, und begleitet sechs Protagonistinnen und Protagonisten durch vertraute und öffentliche Räume der Neckarstadt – auf dem Weg zur Arbeit, bei Erledigungen, in Momenten der Ruhe oder im Austausch mit anderen Menschen.

Unaufgesetzt, behutsam und trotz aller Ernsthaftigkeit leicht und sehr individuell entsteht so ein vielstimmiges Gesamtbild. Film und Fotografie ergänzen sich zu einer künstlerischen Erzählung, die Nähe zulässt, ohne Grenzen zu überschreiten, und die Vielfalt gelebter Lebensentwürfe sichtbar macht. Das Projekt lädt das Publikum ein, Gewohntes zu hinterfragen, neue Blickwinkel einzunehmen und Begegnung als etwas Selbstverständliches zu begreifen.

Die Ausstellung wurde feierlich im Rahmen einer Vernissage eröffnet, die von der Bürgermeisterin Agnes Christner eröffnet wurde. Die große Resonanz übertraf dabei alle Erwartungen: Wir waren überwältigt von den zahlreichen Gästen der Vernissage ebenso wie von dem anhaltend hohen Interesse während der gesamten vierwöchigen Ausstellungsdauer. Insgesamt besuchten über 1.500 Menschen die Ausstellung, führten Gespräche, stellten Fragen und nahmen sich Zeit für Begegnung und Austausch.

Im Verlauf der Ausstellung entstanden viele wertvolle Kontakte, neue Netzwerke und weiterführende Gespräche. Darüber hinaus konnte ein breites bürgerliches Publikum für die Themen Inklusion, Teilhabe und selbstbestimmtes Leben sensibilisiert werden – nicht belehrend, sondern durch persönliche Begegnungen und authentische Einblicke.

Besonders bedeutsam war dabei die aktive Rolle der Bewohner*innen selbst: Sie führten eigenständig durch die Ausstellung, erzählten von den Bildern, den Filmsequenzen und ihren eigenen Lebenswegen. Diese Aufgabe wurde von ihnen mit großer Offenheit und Stolz übernommen und eröffnete Räume echter Begegnung auf Augenhöhe. Für die Beteiligten waren dies unglaublich wertvolle Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Sichtbarkeit und Anerkennung, die weit über die Dauer der Ausstellung hinaus nachwirken.

Alle Aktivitäten